✍️ OffenErläutern Sie, warum die Priorisierung nach reinem Geschäftswert in die Irre führt, und beschreiben Sie, welche Größen ein Product Owner stattdessen zusammen betrachtet.
Musterantwort: Reiner Geschäftswert führt in die Irre, weil er nur eine Seite der Entscheidung abbildet. Zwei Einträge mit demselben geschätzten Wert können sich um den Faktor zehn im Aufwand unterscheiden; wer nur nach Wert ordnet, wählt dann systematisch die teure Variante zuerst und liefert über ein Quartal weniger Gesamtwert. Hinzu kommt, dass geschätzter Wert eine Meinung ist und häufig von der Durchsetzungskraft des fordernden Stakeholders abhängt.
Zusammen zu betrachten sind mindestens vier Größen. Erstens der erwartete Nutzen, möglichst als überprüfbare Wirkungsannahme statt als Punktzahl. Zweitens die Größe beziehungsweise der Aufwand, geschätzt von den Developers, weil nur das Verhältnis entscheidbar ist. Drittens der zeitliche Verfall des Nutzens: Was verliert an Wert, wenn es später kommt? Diese Verzögerungskosten erklären, warum kleine dringende Dinge vor großen unkritischen stehen können. Viertens die Unsicherheit: Ein Eintrag, der eine teure Annahme prüft oder ein großes Risiko entschärft, stiftet Wert durch das gewonnene Wissen, auch wenn sein unmittelbarer Nutzen gering scheint.
Ergänzend kommen Abhängigkeiten und der richtige Zeitpunkt hinzu, etwa gesetzliche Fristen oder Saisonalität.
Wichtig ist die Haltung dahinter: Diese Größen ersetzen die Entscheidung nicht durch eine Formel. Sie machen die Abwägung nachvollziehbar, und genau das ist es, was ein Product Owner gegenüber Stakeholdern und Team vertreten können muss.
Bewertet werden: Wert ohne Aufwand ist keine Entscheidungsgrundlage + Wert als Meinung und Einfluss des Stakeholders + mindestens drei der Größen Nutzen, Größe, Verzögerungskosten, Unsicherheit + Abhängigkeiten/Zeitpunkt + Formel ersetzt Entscheidung nicht.