✍️ OffenEine Organisation hat Scrum vor zwei Jahren eingeführt. Die Events laufen, die Ergebnisse haben sich nicht verbessert. Analysieren Sie mögliche Ursachen.
Musterantwort: Das Muster deutet auf eine Übernahme der Form ohne Veränderung der Substanz hin. Zu prüfen sind mehrere Ebenen. Auf der Entscheidungsebene ist die Frage, ob die Product Owner tatsächlich über die Reihenfolge entscheiden oder ob Prioritäten weiterhin in Gremien und Genehmigungsketten festgelegt werden; im zweiten Fall ist die Rolle nur umbenannt worden. Auf der Teamebene ist zu klären, ob die Teams cross-funktional besetzt sind und ein Increment eigenständig fertigstellen können, oder ob sie nach Komponenten geschnitten sind und auf Zuarbeit warten. Auf der Qualitätsebene stellt sich die Frage nach der Definition of Done: Liefert jeder Sprint tatsächlich fertige Arbeit, oder sammelt sich unsichtbare Restarbeit an, die später als Stabilisierungsphase auftaucht. Auf der Strukturebene sind Budgetlogik und Zielsysteme zu betrachten – Jahresbudgets mit fixem Umfang und individuelle Leistungsziele arbeiten direkt gegen Empirie und Teamarbeit. Auf der Kulturebene ist zu prüfen, ob schlechte Nachrichten schnell nach oben gelangen oder auf dem Weg abgeschliffen werden; ohne diesen Informationsfluss gibt es keine Inspektion. Schließlich ist zu fragen, woran Ergebnisse überhaupt gemessen werden: Wird Output gezählt, sieht die Organisation keine Verbesserung, selbst wenn eine eingetreten ist. Der wirksamste erste Schritt ist meist nicht mehr Methodenschulung, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme entlang dieser Ebenen – gemeinsam mit den Führungskräften, deren Entscheidungen die gefundenen Hindernisse verursachen.