✍️ OffenEin Team möchte Kanban einführen und dafür die Sprints abschaffen. Beziehen Sie Stellung.
Musterantwort: Der Wunsch beruht meist auf einem Missverständnis: Kanban wird als Alternative zu Scrum verstanden, obwohl es eine Methode zur Verbesserung eines bestehenden Prozesses ist und ausdrücklich dort ansetzt, wo man steht. Wer Sprint, Events und Artefakte streicht, macht kein Scrum mehr, sondern arbeitet in einem reinen Flusssystem – das ist legitim, aber eine andere Entscheidung als die, Kanban-Praktiken einzusetzen. Zunächst würde ich klären, welches Problem eigentlich gelöst werden soll. Häufig steckt dahinter, dass der Sprint als künstliche Grenze empfunden wird, dass ständig Arbeit unfertig überhängt oder dass Störungsarbeit die Planung entwertet. Für all diese Probleme gibt es Antworten innerhalb von Scrum: kleinere Einträge, WIP-Limits, eine strengere Definition of Done oder eingeplante Kapazität für Störungen. Der Kanban Guide for Scrum Teams beschreibt genau diese Kombination, und sie bringt die erhofften Vorteile, ohne den Rahmen aufzugeben. Was der Sprint dabei liefert und ein reines Flusssystem nicht bietet, ist der regelmäßige Takt für Inspektion und Adaption sowie das Sprint-Ziel als gemeinsamer Fokus. Gerade Teams, die sich verzetteln, verlieren ohne diesen Takt eher an Ausrichtung. Mein Vorschlag wäre daher, zunächst Visualisierung, WIP-Limits und Flow-Metriken innerhalb der bestehenden Sprints einzuführen und nach einigen Sprints anhand der Daten erneut zu bewerten, ob der Sprint tatsächlich das Problem war.