Priorisierung [Praxis]

9 Übungsfragen mit Lösung und Erklärung.

☝️ SingleWofür wird die MoSCoW-Methode eingesetzt?
Zur Messung der Kundenzufriedenheit
Zur Einordnung von Anforderungen in Muss, Soll, Kann und Wird-nicht
Zur Berechnung des Return on Investment
Zur Schätzung von Aufwänden
MoSCoW ist eine verbreitete Priorisierungstechnik, aber kein Scrum-Element. Ihre Schwäche ist, dass fast alles zum Muss erklärt wird.
☝️ SingleWas beschreibt das Kano-Modell?
Wie unterschiedliche Arten von Merkmalen auf die Kundenzufriedenheit wirken, etwa Basis-, Leistungs- und Begeisterungsmerkmale
Wie Teams ihre Velocity berechnen
Wie Aufwände relativ geschätzt werden
Wie Abhängigkeiten zwischen Teams aufgelöst werden
Basismerkmale werden vorausgesetzt und stiften bei Vorhandensein keine Zufriedenheit, Begeisterungsmerkmale wirken überproportional positiv.
☝️ SingleWas besagt das Konzept Cost of Delay?
Es misst die Verzögerung durch Abhängigkeiten zwischen Teams
Es beziffert, welcher Wert pro Zeiteinheit verloren geht, solange etwas nicht geliefert ist
Es beziffert die Mehrkosten durch Überstunden
Es beschreibt die Kosten technischer Schulden
Cost of Delay macht Dringlichkeit ökonomisch vergleichbar und erklärt, warum kleine, dringende Dinge oft vor großen, wertvollen kommen.
✌️ MultiWelche Faktoren sollte ein Product Owner bei der Reihenfolge berücksichtigen? (Mehrere richtig)
Abhängigkeiten und der richtige Zeitpunkt
Erwarteter Nutzen für Nutzer und Geschäft
Risiko und Unsicherheit, die früh reduziert werden können
Die Hierarchieebene des anfordernden Stakeholders
Die gleichmäßige Auslastung aller Developers
Hierarchie und Auslastung sind keine Wertkriterien. Wer nach Auslastung priorisiert, optimiert Beschäftigung statt Ergebnis.
☝️ SingleWas berechnet WSJF (Weighted Shortest Job First)?
Die durchschnittliche Dauer eines Backlog-Eintrags
Die gewichtete Velocity mehrerer Teams
Die Anzahl der Stakeholder, die einem Eintrag zugestimmt haben
Den Quotienten aus Verzögerungskosten und Aufwand, um die Reihenfolge mit dem größten wirtschaftlichen Nutzen je Zeiteinheit zu bestimmen
Der Grundgedanke: Bei begrenzter Kapazität ist nicht das Wertvollste zuerst dran, sondern das mit dem besten Verhältnis von Wert zu Aufwand. Kleine, wertvolle Einträge schlagen große, sehr wertvolle.
☝️ SingleWelche Kategorien unterscheidet das Kano-Modell?
Hoch, mittel, niedrig
Aktueller Wert, unrealisierter Wert, Innovationsfähigkeit, Time-to-Market
Basismerkmale, Leistungsmerkmale und Begeisterungsmerkmale – ergänzt um unerhebliche und unerwünschte Merkmale
Must, Should, Could, Won't
Für die Priorisierung folgt daraus eine unbequeme Asymmetrie: Basismerkmale stiften bei Erfüllung keine Zufriedenheit, erzeugen bei Fehlen aber massive Unzufriedenheit. Sie sind Pflicht, nicht Profil.
☝️ SingleEin Merkmal wird vom Nutzer selbstverständlich erwartet und fällt nur auf, wenn es fehlt. Wie ordnet das Kano-Modell es ein?
Als unerhebliches Merkmal
Als Leistungsmerkmal
Als Basismerkmal
Als Begeisterungsmerkmal
Typische Beispiele sind Datensicherheit oder eine funktionierende Anmeldung. Wer hier investiert, gewinnt keine Zufriedenheit – aber wer es unterlässt, verliert Nutzer. Kano-Kategorien wandern zudem über die Zeit nach unten.
☝️ SingleWarum ist eine Priorisierung allein nach Stakeholder-Lautstärke problematisch?
Weil Priorisierung ausschließlich technisch erfolgen darf
Weil Stakeholder keine fachliche Kompetenz besitzen
Weil der Scrum Guide Stakeholder-Beteiligung verbietet
Weil sie Einfluss statt Wert abbildet und die Interessen schweigsamer, aber wichtiger Nutzergruppen systematisch ausblendet
Der Product Owner braucht ein nachvollziehbares Kriterium, das er erklären kann. Sonst wird jede Reihenfolge verhandelbar, und die Verhandlung gewinnt regelmäßig die durchsetzungsstärkste Person.
✍️ OffenBeschreiben Sie, nach welchen Gesichtspunkten ein Product Owner das Product Backlog ordnet, und warum "Geschäftswert" allein nicht ausreicht.
Musterantwort: Die Reihenfolge des Product Backlog soll den Wert maximieren, den das Produkt über die Zeit erzeugt. Der erwartete Nutzen ist dabei nur einer von mehreren Gesichtspunkten. Hinzu kommt der Aufwand beziehungsweise die Größe eines Eintrags, denn bei begrenzter Kapazität zählt nicht der absolute Wert, sondern das Verhältnis von Wert zu Aufwand; genau das bildet etwa WSJF ab. Weiterhin spielt Risiko eine Rolle: Ein Eintrag, der eine große technische oder fachliche Unsicherheit auflöst, kann es rechtfertigen, früh bearbeitet zu werden, auch wenn sein unmittelbarer Nutzen gering ist, weil er alle nachfolgenden Schätzungen zuverlässiger macht. Ebenso sind Abhängigkeiten zu berücksichtigen, weil manche Einträge Voraussetzung für andere sind, sowie zeitliche Bindungen wie gesetzliche Fristen, Marktzeitpunkte oder Messetermine. Schließlich beeinflussen Lerneffekte die Reihenfolge: Ein Eintrag, der Erkenntnisse über Nutzerverhalten liefert, kann die Priorisierung aller folgenden Einträge verbessern. Geschäftswert allein reicht deshalb nicht aus, weil er weder die Kosten der Erstellung noch die Unsicherheit noch die zeitliche Dringlichkeit abbildet. Eine Liste, die streng nach geschätztem Nutzen sortiert ist, führt typischerweise dazu, dass große und riskante Vorhaben vorne stehen, während kleine Einträge mit hervorragendem Kosten-Nutzen-Verhältnis liegenbleiben.
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