✍️ OffenBeschreiben Sie, nach welchen Gesichtspunkten ein Product Owner das Product Backlog ordnet, und warum "Geschäftswert" allein nicht ausreicht.
Musterantwort: Die Reihenfolge des Product Backlog soll den Wert maximieren, den das Produkt über die Zeit erzeugt. Der erwartete Nutzen ist dabei nur einer von mehreren Gesichtspunkten. Hinzu kommt der Aufwand beziehungsweise die Größe eines Eintrags, denn bei begrenzter Kapazität zählt nicht der absolute Wert, sondern das Verhältnis von Wert zu Aufwand; genau das bildet etwa WSJF ab. Weiterhin spielt Risiko eine Rolle: Ein Eintrag, der eine große technische oder fachliche Unsicherheit auflöst, kann es rechtfertigen, früh bearbeitet zu werden, auch wenn sein unmittelbarer Nutzen gering ist, weil er alle nachfolgenden Schätzungen zuverlässiger macht. Ebenso sind Abhängigkeiten zu berücksichtigen, weil manche Einträge Voraussetzung für andere sind, sowie zeitliche Bindungen wie gesetzliche Fristen, Marktzeitpunkte oder Messetermine. Schließlich beeinflussen Lerneffekte die Reihenfolge: Ein Eintrag, der Erkenntnisse über Nutzerverhalten liefert, kann die Priorisierung aller folgenden Einträge verbessern. Geschäftswert allein reicht deshalb nicht aus, weil er weder die Kosten der Erstellung noch die Unsicherheit noch die zeitliche Dringlichkeit abbildet. Eine Liste, die streng nach geschätztem Nutzen sortiert ist, führt typischerweise dazu, dass große und riskante Vorhaben vorne stehen, während kleine Einträge mit hervorragendem Kosten-Nutzen-Verhältnis liegenbleiben.