✍️ OffenErklären Sie, warum die Verantwortlichkeit des Product Owners bei einer einzelnen Person liegt, auch wenn Aufgaben delegiert werden dürfen.
Musterantwort: Der Scrum Guide sieht den Product Owner als eine Person, nicht als Gremium, vor. Der Grund liegt in der Entscheidungsfähigkeit: Die Reihenfolge des Product Backlog ist eine fortlaufende Abwägung zwischen konkurrierenden, oft widersprüchlichen Interessen. Ein Gremium kann beraten, aber es entscheidet langsam, verhandelt Kompromisse statt Prioritäten und liefert dem Team keine eindeutige Antwort auf die Frage, was als Nächstes wichtig ist. Eine klar benannte Person ist ansprechbar, rechenschaftspflichtig und kann kurzfristig entscheiden, was in der empirischen Arbeitsweise unverzichtbar ist. Delegation ist dabei ausdrücklich erlaubt: Der Product Owner kann die Pflege von Einträgen, die Ausarbeitung von Akzeptanzkriterien oder die Marktbeobachtung an andere übergeben, etwa an Business Analysten oder Fachbereichsvertreter. Was nicht delegiert werden kann, ist die Rechenschaftspflicht. Er bleibt verantwortlich dafür, dass das Product Backlog transparent, verständlich und sinnvoll geordnet ist und dass das Product Goal klar formuliert ist. Damit dies funktioniert, muss die Organisation seine Entscheidungen respektieren: Wer ihn formal einsetzt, ihm aber die Entscheidungsbefugnis entzieht, erhält einen Anforderungsverwalter ohne Handlungsspielraum. Sichtbar wird eine solche Fehlkonstruktion typischerweise daran, dass Prioritäten in einem anderen Gremium festgelegt werden und der Product Owner sie lediglich weitergibt.