Konflikte [Praxis]

4 Übungsfragen mit Lösung und Erklärung.

☝️ SingleWas ist der Unterschied zwischen einem Sachkonflikt und einem Beziehungskonflikt?
Beziehungskonflikte gibt es in selbstverwalteten Teams nicht
Sachkonflikte werden vom Product Owner entschieden, Beziehungskonflikte vom Scrum Master
Der Sachkonflikt ist immer schwerwiegender als der Beziehungskonflikt
Der Sachkonflikt betrifft unterschiedliche Positionen zu einer Frage, der Beziehungskonflikt die persönliche Ebene zwischen den Beteiligten
Die Unterscheidung bestimmt das Vorgehen: Sachkonflikte lassen sich mit Daten, Kriterien und Optionen klären. Ein Beziehungskonflikt, der als Sachfrage getarnt wird, lässt sich mit Argumenten nicht lösen – deshalb enden solche Diskussionen ergebnislos.
☝️ SingleEin Konflikt zwischen zwei Developers eskaliert so weit, dass beide dem jeweils anderen schaden wollen. Wie verhält sich der Scrum Master angemessen?
Er trifft eine Entscheidung darüber, wer Recht hat, und setzt sie durch
Er erkennt, dass die Selbstlösungsfähigkeit überschritten ist, spricht beide getrennt an und zieht bei Bedarf Personalverantwortliche oder professionelle Mediation hinzu
Er wartet ab, weil selbstverwaltete Teams ihre Konflikte grundsätzlich selbst lösen
Er thematisiert den Konflikt in der nächsten Retrospektive vor dem gesamten Team
Selbstverwaltung hat Grenzen. Ab einer bestimmten Eskalationsstufe können die Beteiligten aus eigener Kraft nicht mehr zurück, und die Gruppe vor Publikum zu konfrontieren verschärft die Lage meist zusätzlich.
☝️ SingleWarum ist es für den Scrum Master riskant, in einem Konflikt selbst Partei zu ergreifen?
Es ist ihm laut Scrum Guide ausdrücklich verboten, eine Meinung zu haben
Er darf nur mit Zustimmung des Product Owners Stellung nehmen
Er verliert die Allparteilichkeit, die ihn als Facilitator wirksam macht, und wird zur Konfliktpartei statt zur Unterstützung
Parteinahme verletzt den Scrum-Wert Commitment
Der Scrum Master darf durchaus eine fachliche Haltung haben. Entscheidend ist die Rolle im Konflikt selbst: Wer dort Partei wird, kann anschließend nicht mehr moderieren – und dem Team fehlt genau diese Funktion.
✍️ OffenDer Product Owner und die Developers streiten regelmäßig über den Umfang, der in einen Sprint passt. Beschreiben Sie, wie ein Scrum Master hier wirkt.
Musterantwort: Der Streit ist ein Symptom, nicht das eigentliche Problem, und er deutet meist auf unklare Verantwortlichkeiten hin. Nach dem Scrum Guide entscheiden die Developers, wie viel Arbeit sie in den Sprint aufnehmen; der Product Owner bringt Reihenfolge und Sprint-Ziel ein und kann helfen, Kompromisse und Alternativen zu verstehen. Ist diese Aufteilung unklar oder wird sie nicht respektiert, wiederholt sich der Konflikt in jedem Planning. Als Erstes würde ich diese Rollenverteilung außerhalb des Events mit beiden Seiten klären, damit die Auseinandersetzung nicht jedes Mal von vorn beginnt. Als Zweites würde ich den Blick auf das Sprint-Ziel lenken. Wird zuerst gemeinsam geklärt, welchen Wert der Sprint liefern soll, verschiebt sich die Diskussion von der Menge der Einträge zur Frage, was für dieses Ziel wirklich nötig ist – und damit von einer Verhandlung zu einer gemeinsamen Gestaltungsaufgabe. Als Drittes würde ich mit Daten arbeiten: Wenn in mehreren Sprints regelmäßig Arbeit liegenbleibt, ist das eine überprüfbare Beobachtung und nicht mehr eine Meinung. Schließlich würde ich in der Retrospektive den Umgang miteinander thematisieren, falls der Ton bereits persönlich geworden ist. Meine eigene Rolle bleibt dabei allparteilich: Ich entscheide die Frage nicht, sondern sorge dafür, dass sie am richtigen Ort und mit den richtigen Informationen entschieden wird.
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