✍️ OffenBeschreiben Sie, wie Sie als Facilitator vorgehen, wenn in einer Retrospektive ein Konflikt sichtbar wird, der bereits seit mehreren Sprints unausgesprochen schwelt.
Musterantwort: Zunächst entscheide ich, ob die Retrospektive der richtige Ort ist. Ein schwelender Konflikt gehört grundsätzlich hierher, aber nur wenn genügend Zeit bleibt und die Beteiligten der Bearbeitung zustimmen; ein angerissener und dann abgebrochener Konflikt richtet mehr Schaden an als gar keiner.
Ist die Bearbeitung möglich, benenne ich zuerst beobachtbar, was ich wahrnehme, ohne zu deuten oder Motive zu unterstellen. Dann sorge ich für einen Rahmen, in dem alle Beteiligten ihre Sicht ungestört darstellen können, etwa durch nacheinander geführte Beiträge ohne Unterbrechung. Anschließend arbeite ich mit der Unterscheidung von Position und Interesse: Was fordert jede Seite, und welches Bedürfnis steht dahinter? Häufig sind die Positionen unvereinbar, die Interessen aber nicht.
Danach lenke ich die Gruppe von Personen auf das System: Welche Regel, welche Zielgröße oder welche unklare Zuständigkeit erzeugt diesen Konflikt immer wieder? Das entlastet die Beteiligten und führt zu Maßnahmen, die nicht von gutem Willen abhängen.
Zum Schluss sichere ich Ergebnisse mit Verantwortlichen und Termin und vereinbare einen Zeitpunkt, an dem wir gemeinsam prüfen, ob sich etwas verändert hat.
Meine Grenzen halte ich dabei ein: Bei persönlichen Angriffen, Machtgefälle oder wenn ich selbst Partei bin, ist eine externe Begleitung angemessener. Facilitation ist keine Mediation und keine Therapie.
Bewertet werden: Prüfung von Ort, Zeit und Zustimmung + beobachtbares Benennen ohne Deutung + Trennung Position/Interesse + Verschiebung von Person auf System + Ergebnissicherung mit Nachprüfung + Benennung der eigenen Grenzen.