Führungshandeln [Leadership]

4 Übungsfragen mit Lösung und Erklärung.

☝️ SingleEine Führungskraft möchte die Selbstverwaltung ihrer Teams stärken und kündigt an, sich künftig aus allen Entscheidungen herauszuhalten. Welche Wirkung ist am wahrscheinlichsten?
Die Führungskraft verliert ihre Rolle in der Organisation
Die Teams werden unsicher, weil unklar bleibt, wo ihre Entscheidungsbefugnis endet; Selbstverwaltung braucht klare Grenzen, nicht deren Abwesenheit
Die Teams gewinnen sofort an Eigenständigkeit und Geschwindigkeit
Die Teams übernehmen automatisch die Verantwortung für Budget und Strategie
Rückzug ist nicht dasselbe wie Ermächtigung. Ohne klar benannte Entscheidungsräume, Rahmenbedingungen und Ziele entsteht kein Freiraum, sondern ein Vakuum, in dem Entscheidungen verzögert oder informell zurückgeholt werden.
☝️ SingleEin Bereichsleiter führt Team-Rankings nach gelieferten Story Points ein, um Transparenz zu schaffen. Welche Wirkung ist zu erwarten?
Schätzungen steigen, Zusammenarbeit zwischen Teams sinkt, und die Zahl verliert ihre Aussagekraft als Planungsgrundlage
Die Vergleichbarkeit zwischen Teams verbessert sich
Die Schätzgenauigkeit steigt durch den Vergleichsdruck
Die Teams werden messbar produktiver
Story Points sind teamspezifisch und schon deshalb nicht vergleichbar. Als Ranking eingesetzt werden sie zur Zielgröße und damit manipuliert. Nebenwirkung: Teams helfen einander nicht mehr, weil Unterstützung der eigenen Position schadet.
☝️ SingleEine Führungskraft fragt, wie sie erkennen kann, ob Selbstverwaltung in ihren Teams tatsächlich funktioniert. Welcher Anhaltspunkt ist am aussagekräftigsten?
Ob Teams ihre Velocity über die Zeit steigern
Ob Teams ihre Sprint-Ziele zuverlässig erreichen
Ob die Zahl der Eskalationen an die Führungskraft gesunken ist
Ob Teams unangenehme Probleme von sich aus ansprechen, bevor sie eskalieren
Sinkende Eskalationen sind zweideutig: Sie können Reife bedeuten oder Resignation. Zuverlässig erreichte Ziele können auf sicher gewählte Ziele hindeuten. Von sich aus angesprochene Probleme setzen dagegen Vertrauen, Verantwortungsübernahme und Handlungsspielraum zugleich voraus.
✍️ OffenSie leiten einen Bereich mit sechs Scrum Teams. Die Teams arbeiten sauber nach Scrum, aber die Durchlaufzeit von der Idee bis zur produktiven Nutzung liegt weiterhin bei sieben Monaten. Beschreiben Sie Ihr Vorgehen als Führungskraft.
Musterantwort: Zuerst würde ich die sieben Monate aufschlüsseln, statt über sie zu diskutieren. Eine Aufnahme des Weges von der Idee bis zur Nutzung mit tatsächlicher Bearbeitungs- und Wartezeit je Schritt zeigt erfahrungsgemäß, dass die eigentliche Arbeit einen kleinen Teil ausmacht. Der Rest verteilt sich auf Wartezeiten vor Gremienentscheidungen, auf Freigaben, auf Abhängigkeiten zwischen Bereichen und auf die Zeit zwischen Fertigstellung und tatsächlicher Auslieferung. Diese Aufschlüsselung ist die entscheidende Grundlage, weil sie die Diskussion von der Teamleistung wegführt. Daraus folgt die zweite Einsicht: Die Teams sind nicht der Engpass. Wer an dieser Stelle weiter in Teamoptimierung investiert, verbessert einen Abschnitt, der die Gesamtdauer kaum bestimmt. Als Führungskraft liegen die relevanten Hebel in meinem Zuständigkeitsbereich, nicht in ihrem. Konkret würde ich mir die drei größten Wartezeiten vornehmen. Typische Kandidaten: ein Gremium, das monatlich tagt und damit jede Entscheidung um bis zu vier Wochen verzögert; Freigaben, deren Zweck sich durch automatisierte Nachweise erfüllen lässt; sowie Abhängigkeiten, die aus dem Zuschnitt der Teams entlang technischer Komponenten stammen. Beim Gremium ist die Frage nicht Abschaffung, sondern welche Entscheidungen es tatsächlich treffen muss und welche delegierbar sind, samt Kriterien. Dann würde ich einen Zielzustand setzen statt einer Zahlenvorgabe, etwa: Eine Idee mittlerer Größe erreicht die Nutzung innerhalb von sechs Wochen. Dorthin arbeite ich mit kleinen Veränderungen und messe nach jeder, statt ein Umbauprogramm aufzusetzen, das erst nach einem Jahr Rückmeldung liefert. Gemessen würde ich mit wenigen Größen: Durchlaufzeit als Perzentil statt als Mittelwert, Anteil der Wartezeit an der Gesamtdauer und Zahl der Freigabestufen. Diese Kennzahlen würde ich ausdrücklich nicht in Zielvereinbarungen der Teams übernehmen, weil sie sonst optimiert statt gemessen werden. Schließlich würde ich die Erwartung an mich selbst offen benennen: Die Ursachen liegen in Strukturen, die ich mitverantwortet habe. Das auszusprechen ist die Voraussetzung dafür, dass die Organisation die Veränderung ernst nimmt.
Bewertet werden: Aufschlüsselung der Durchlaufzeit in Bearbeitungs- und Wartezeit + Erkenntnis, dass die Teams nicht der Engpass sind + konkrete Hebel bei Gremien, Freigaben und Teamzuschnitt + Zielzustand statt Zahlenvorgabe + kleine Schritte mit Messung + Perzentil statt Mittelwert und keine Zielvereinbarung + Verantwortungsübernahme der Führungskraft.
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