Fluss [Kanban]

4 Übungsfragen mit Lösung und Erklärung.

☝️ SingleEin Team führt ein WIP-Limit ein. In der zweiten Woche steht ein Developer zeitweise still, weil er nichts Neues beginnen darf. Wie ist das zu bewerten?
WIP-Limits sind mit Scrum unvereinbar, da sie die Selbstverwaltung einschränken
Genau das ist die beabsichtigte Wirkung: Der Stillstand macht einen Engpass sichtbar und lädt dazu ein, bei der Fertigstellung zu helfen statt Neues zu beginnen
Das WIP-Limit ist zu niedrig gewählt und sollte erhöht werden
Das Team sollte die Auslastung durch Zusatzaufgaben sichern
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Auslastungs- und Flussoptimierung. Wer den Leerlauf sofort mit neuer Arbeit füllt, hat das Limit verstanden, aber nicht seinen Zweck. Das Signal lautet: schwärmen statt starten.
☝️ SingleEin Team misst eine mittlere Durchlaufzeit von vier Tagen, einzelne Einträge brauchen aber bis zu dreißig Tage. Worauf sollte sich die Verbesserung richten?
Auf die Ursachen der Ausreißer, da der Mittelwert die für Stakeholder spürbare Unzuverlässigkeit verdeckt
Auf die Erhöhung des Durchsatzes je Sprint
Auf die genauere Schätzung der Einträge
Auf die Senkung des Mittelwerts von vier auf drei Tage
Zuverlässigkeit entsteht durch enge Streuung, nicht durch einen niedrigen Mittelwert. Deshalb wird in der Praxis mit Perzentilen gearbeitet: Eine Aussage wie "85 Prozent der Einträge sind in sieben Tagen fertig" ist für Stakeholder brauchbar, ein Mittelwert nicht.
☝️ SingleWas zeigt das Alter der in Arbeit befindlichen Einträge (Work Item Age) an, was Zykluszeit nicht zeigt?
Es zeigt die durchschnittliche Belastung je Teammitglied
Es misst die Gesamtdauer eines Eintrags einschließlich Wartezeit vor Arbeitsbeginn
Es macht während der laufenden Arbeit sichtbar, welche Einträge ungewöhnlich lange offen sind, sodass noch eingegriffen werden kann
Es sagt vorher, wie viele Einträge im Sprint fertig werden
Zykluszeit ist eine Rückschau auf abgeschlossene Arbeit und damit für Eingriffe zu spät. Das Alter offener Einträge wirkt vorausschauend: Überschreitet ein Eintrag das übliche Perzentil, ist das ein Handlungssignal, solange noch etwas zu retten ist.
✍️ OffenEin Team erreicht sein Sprint-Ziel regelmäßig erst am letzten Tag, obwohl die Arbeitsmenge angemessen erscheint. Analysieren Sie das Problem aus Flusssicht und beschreiben Sie Maßnahmen.
Musterantwort: Das Muster deutet darauf hin, dass zu Sprintbeginn viele Einträge gleichzeitig begonnen und erst gegen Ende nacheinander abgeschlossen werden. Aus Flusssicht ist das ein klassisches Bild: Der Bestand an unfertiger Arbeit ist über den ganzen Sprint hoch, und nach dem Gesetz von Little verlängert sich dadurch die Durchlaufzeit jedes einzelnen Eintrags. Alles wird gleichzeitig fertig, weil alles gleichzeitig begonnen wurde. Die Folgen sind erheblich. Erstens gibt es bis kurz vor Sprintende keine belastbare Aussage über den Fortschritt, weil nichts fertig ist. Zweitens ballen sich Überprüfung, Test und Integration am Ende, genau dann, wenn keine Zeit für Korrekturen bleibt. Drittens ist die Gefahr groß, dass ein spät entdecktes Problem gleich mehrere Einträge betrifft. Viertens entsteht der Eindruck, das Team sei ausgelastet, obwohl der Fluss schlecht ist. Maßnahmen: Erstens ein WIP-Limit je Spalte oder je Person einführen, damit Fertigstellen Vorrang vor Beginnen bekommt. Zweitens das Alter der offenen Einträge sichtbar machen und im Daily nicht Personen, sondern Einträge durchgehen, beginnend beim ältesten. Drittens Schwärmen vereinbaren: Wer nichts Neues beginnen darf, hilft beim ältesten offenen Eintrag. Viertens die Einträge kleiner zerlegen, da große Einträge zwangsläufig lange offen bleiben. Fünftens prüfen, ob Wartezeiten auf Externe die Ursache sind; dann hilft kein WIP-Limit, sondern nur die Beseitigung der Abhängigkeit. Zu vermeiden ist der Reflex, den Umfang zu reduzieren. Das Problem ist nicht die Menge, sondern die Reihenfolge der Bearbeitung.
Bewertet werden: Diagnose hoher paralleler Bestand + Bezug zum Gesetz von Little + mindestens drei Folgen (späte Transparenz, Ballung von Test/Integration, gemeinsames Risiko) + Maßnahmen WIP-Limit, Alter der Einträge, Schwärmen, kleinere Zerlegung + Prüfung externer Wartezeiten + Hinweis, dass Umfangsreduktion die Ursache verfehlt.
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