✍️ OffenErklären Sie, warum hohe Auslastung und schnelle Durchlaufzeit im Widerspruch zueinander stehen.
Musterantwort: Auslastung misst, wie viel der verfügbaren Kapazität belegt ist; Durchlaufzeit misst, wie lange eine einzelne Arbeitseinheit vom Start bis zur Fertigstellung braucht. Beide lassen sich nicht gleichzeitig maximieren. Je näher ein System an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet, desto stärker wirken sich Schwankungen aus: Jede unerwartete Störung, jede Nachfrage nach Zuarbeit und jede Abhängigkeit führt dazu, dass Arbeit warten muss, weil keine freie Kapazität zum Auffangen vorhanden ist. Warteschlangen wachsen dabei nicht linear, sondern überproportional, sobald die Auslastung sehr hoch wird. Hinzu kommen Umschaltverluste: Wer mehrere Dinge gleichzeitig begonnen hat, verliert bei jedem Wechsel Zeit für das Wiedereindenken, und dieser Verlust wächst mit der Anzahl paralleler Vorgänge. In der Praxis zeigt sich das an Boards, auf denen viele Einheiten angefangen und wenige fertig sind, während alle Beteiligten durchgehend beschäftigt wirken. Die Konsequenz für Scrum Teams lautet, bewusst Puffer zu lassen und die gleichzeitig laufende Arbeit zu begrenzen, auch wenn dadurch einzelne Personen zeitweise nicht voll ausgelastet sind. Der Vergleich ist der Autobahnverkehr: Bei hundert Prozent Fahrbahnbelegung steht der Verkehr, obwohl die Straße maximal ausgelastet ist.