✍️ OffenBeschreiben Sie, wie ein Scrum Team wachsende technische Schulden sichtbar und entscheidbar macht.
Musterantwort: Der erste Schritt ist, die Schulden aus dem Bereich der Gefühle in den Bereich der Beobachtung zu holen. Dazu eignen sich konkrete Belege: Bereiche mit auffällig häufigen Fehlern, Arbeitspakete, deren Umsetzung deutlich länger dauert als vergleichbare, wiederkehrende Nacharbeit, lange Bauzeiten oder Stellen, an denen niemand mehr Änderungen vornehmen will. Diese Beobachtungen lassen sich mit einfachen Kennzahlen unterlegen, etwa der Entwicklung der Durchlaufzeit in bestimmten Bereichen oder der Fehlerdichte. Der zweite Schritt ist die Übersetzung in die Sprache der Entscheidung. Technische Schulden interessieren einen Product Owner nicht als technischer Zustand, sondern als künftige Kosten und als verlorene Geschwindigkeit; entsprechend wird formuliert, welche geplante Arbeit dadurch teurer oder riskanter wird. Der dritte Schritt ist die Verankerung, damit nicht in jedem Sprint neu verhandelt werden muss. Am wirksamsten ist, Qualitätskriterien in die Definition of Done aufzunehmen, sodass neue Schulden gar nicht erst entstehen. Für den Abbau bestehender Schulden bewährt sich die Boy-Scout-Regel, also das schrittweise Verbessern jedes berührten Bereichs, ergänzt um gezielte Einträge im Product Backlog für größere Sanierungen. Der vierte Schritt ist die Nachverfolgung: Das Team prüft in der Retrospektive, ob die Maßnahmen wirken, und passt sie an. Was nicht funktioniert, ist das stille Einplanen von Sanierungsarbeit ohne Absprache – das untergräbt das Vertrauen und die Transparenz gleichermaßen.