Evidence-Based Management [Leadership]

7 Übungsfragen mit Lösung und Erklärung.

☝️ SingleWelche vier Wertbereiche (Key Value Areas) unterscheidet Evidence-Based Management?
Durchsatz, Durchlaufzeit, WIP und Alter der Arbeitseinheiten
Aktueller Wert, unrealisierter Wert, Innovationsfähigkeit und Time-to-Market
Umsatz, Kosten, Gewinn und Marktanteil
Transparenz, Inspektion, Adaption und Empirie
Die Kombination ist entscheidend: Ein Produkt mit hohem aktuellem Wert, aber schlechter Time-to-Market ist ein Auslaufmodell, das seine Lage noch nicht bemerkt hat.
☝️ SingleWas misst der Wertbereich "Ability to Innovate"?
Den Anteil neuer Funktionen am Gesamtumfang
Die Fähigkeit der Organisation, neue Fähigkeiten zu liefern, die Kunden besser bedienen – gemindert etwa durch technische Schulden und Nebentätigkeiten
Die Anzahl der jährlich angemeldeten Patente
Die Kreativität der Mitarbeitenden in Ideenworkshops
Typische Messgrößen sind der Anteil an Zeit für Nebenschauplätze, das Ausmaß technischer Schulden und der Anteil unbenutzter Funktionen. Gemessen wird also vor allem, was Innovation VERHINDERT.
☝️ SingleWas beschreibt der Wertbereich "Unrealized Value"?
Den Wert, der zusätzlich erreichbar wäre, wenn alle Bedürfnisse aller potenziellen Kunden vollständig erfüllt würden
Die Differenz zwischen geplanten und tatsächlichen Umsätzen
Den Wert, der durch technische Schulden verloren geht
Den Wert der Funktionen, die entwickelt, aber noch nicht ausgeliefert wurden
Unrealized Value beantwortet die Investitionsfrage: Ist noch genug Potenzial vorhanden, um weitere Investitionen zu rechtfertigen – oder ist der Markt ausgeschöpft?
✌️ MultiWelche Messgrößen eignen sich für den Wertbereich Time-to-Market? (Mehrere richtig)
Zeit zur Behebung eines Produktionsfehlers.
Häufigkeit der Auslieferungen.
Zeit von der Idee bis zur Auslieferung an Nutzer.
Anzahl der pro Sprint abgeschlossenen Story Points.
Story Points messen internen Aufwand und sind zwischen Teams nicht vergleichbar – für eine Organisationskennzahl sind sie deshalb untauglich.
☝️ SingleWarum ist die Anzahl gelieferter Funktionen als Wertkennzahl ungeeignet?
Sie misst Output statt Wirkung; ein erheblicher Teil ausgelieferter Funktionen wird nachweislich kaum genutzt
Sie berücksichtigt die Teamgröße nicht
Sie ist zu aufwendig zu erheben
Sie ist nur bei agilen Vorgehensweisen anwendbar
Wer die Liefermenge zur Kennzahl macht, bekommt mehr Funktionen – nicht mehr Wert. Studien zur tatsächlichen Nutzung ausgelieferter Software fallen regelmäßig ernüchternd aus.
✍️ OffenBeschreiben Sie, wie Sie mit Evidence-Based Management den Nutzen einer agilen Arbeitsweise gegenüber der Geschäftsführung belegen würden.
Musterantwort: Zunächst würde ich klären, welche Frage die Geschäftsführung tatsächlich beantwortet haben will, denn "bringt Agilität etwas" meint je nach Gesprächspartner schnellere Auslieferung, bessere Marktergebnisse, geringeres Risiko oder zufriedenere Kunden. Anschließend würde ich Evidence-Based Management als Rahmen einführen, weil es Wert aus vier Blickwinkeln betrachtet und damit verhindert, dass eine einzelne Zahl das Bild bestimmt. Für den aktuellen Wert wähle ich Größen wie Umsatz je Kunde, Nutzungsgrad der wichtigsten Funktionen und Kundenzufriedenheit. Für den unrealisierten Wert schätze ich das verbleibende Marktpotenzial und die Lücke zwischen dem, was Nutzer brauchen, und dem, was das Produkt heute leistet; dieser Bereich beantwortet die Investitionsfrage. Für Time-to-Market erhebe ich die Zeit von der Idee bis zur Auslieferung, die Häufigkeit der Auslieferungen und die Zeit bis zur Behebung eines Produktionsfehlers. Für die Innovationsfähigkeit messe ich vor allem das, was sie behindert: den Anteil der Zeit für Nebenschauplätze, das Ausmaß technischer Schulden und den Anteil kaum genutzter Funktionen. Wichtig ist die Ausgangsmessung vor der Veränderung, da sonst kein Vergleich möglich ist, sowie die ehrliche Aussage, welche Entwicklungen sich nicht kausal zuordnen lassen. Bewusst nicht heranziehen würde ich Velocity, Auslastung oder die Zahl gelieferter Funktionen, weil sie internen Aufwand statt Wirkung messen und als Ziel gesetzt sofort ihren Aussagewert verlieren.
☝️ SingleEin Produkt zeigt hohen aktuellen Wert, aber geringen unrealisierten Wert. Was folgt daraus für die Investitionsentscheidung?
Der geringe unrealisierte Wert ist ein Messfehler
Das Produkt sollte sofort eingestellt werden
Der Markt ist weitgehend ausgeschöpft; weitere Investitionen bringen wenig zusätzlichen Wert – Erhalt statt Ausbau
Die Entwicklungskapazität sollte verdoppelt werden
Genau diese Kombination beantwortet die Frage, wo zusätzliche Entwicklungskapazität am meisten bewirkt – meist nämlich nicht beim erfolgreichsten Produkt.
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