✍️ OffenEin Vorstand fragt, warum die Organisation trotz erheblicher Investition in agile Arbeitsweisen keine schnelleren Ergebnisse sieht. Entwickeln Sie eine Antwort entlang der vier EBM-Wertbereiche.
Musterantwort: Zunächst würde ich das Bild mit Belegen statt mit Eindrücken füllen, und zwar in allen vier Bereichen, weil eine einseitige Betrachtung regelmäßig in die Irre führt.
Aktueller Wert: Was liefert das Produkt heute tatsächlich? Zufriedenheit der aktiven Nutzer, Nutzungsintensität, Ertrag je Kunde. Häufig zeigt sich hier, dass der Wert stabil ist und das Problem gar nicht in der Lieferfähigkeit liegt.
Unrealisierter Wert: Wie groß ist die Lücke zum Möglichen? Anteil potenzieller Nutzer, die das Produkt nicht verwenden, Zufriedenheitslücke, Marktanteil im adressierbaren Markt. Ist diese Lücke klein, ist die Erwartung schnellerer Ergebnisse durch mehr Funktionen von vornherein unrealistisch; dann ist die richtige Frage, ob anderswo investiert werden sollte.
Time-to-Market: Wie lange dauert es von der Idee bis zur produktiven Nutzung, und wo liegt die Zeit tatsächlich? Erfahrungsgemäß entfällt der größte Teil auf Wartezeiten zwischen Stufen, nicht auf die Umsetzung. Genau das erklärt, warum schnellere Teams allein die Gesamtdauer kaum verkürzen.
Innovationsfähigkeit: Wieviel Kapazität steht überhaupt für Neues zur Verfügung? Anteil der Arbeit für Fehlerbehebung und Wartung, Zahl der Produktionsvorfälle, Zeitverlust durch Wechsel zwischen Vorhaben. Sind achtzig Prozent gebunden, wirkt jede Beschleunigung der verbleibenden zwanzig Prozent nur schwach.
Die Antwort an den Vorstand lautet damit meist: Die Investition wirkte dort, wo sie ansetzte, nämlich in den Teams. Die begrenzenden Faktoren liegen aber überwiegend außerhalb, in Budgetierung, Freigabewegen, Abhängigkeiten und gebundener Kapazität. Das sind Führungsentscheidungen, keine Teamthemen.
Als Vorgehen schlage ich einen Zielzustand für einen dieser Bereiche vor, ein kleines Experiment dorthin und eine Messung nach wenigen Wochen, statt eines weiteren großen Programms.
Bewertet werden: alle vier Wertbereiche korrekt benannt und mit plausiblen Indikatoren belegt + Erkenntnis, dass Wartezeit zwischen Stufen dominiert + gebundene Kapazität als Begrenzung + Verortung der Ursachen in Führungsentscheidungen + kleines Experiment statt Großprogramm.