✍️ OffenEine Führungskraft fragt, was sie nach der Einführung von Scrum eigentlich noch zu tun hat. Beantworten Sie die Frage.
Musterantwort: Die Frage ist berechtigt, weil Scrum der Führungskraft tatsächlich etwas wegnimmt: die Zuweisung von Aufgaben und die Detailsteuerung der Arbeit. Was bleibt, ist anspruchsvoller. Erstens gestaltet sie das System, in dem gearbeitet wird: Teamzuschnitt, Verfügbarkeiten, Entscheidungsbefugnisse, Budgetlogik, Zielsysteme und Anreize. Genau dort liegen die meisten Hindernisse agiler Teams, und nur Führung kann sie auflösen – ein Scrum Master kann sie benennen, aber nicht ändern. Zweitens sorgt sie für Richtung: Teams brauchen ein verständliches, langfristiges Ziel und den Zusammenhang zur Strategie, sonst entsteht aus Selbstverwaltung Beliebigkeit. Drittens entwickelt sie Menschen: Qualifizierung, Laufbahnen, das Auffangen von Konflikten, die das Team nicht mehr selbst lösen kann. Viertens verantwortet sie die Investitionsentscheidungen, also welche Produkte und Vorhaben überhaupt Kapazität bekommen, und sie tut das idealerweise auf Basis von Evidenz statt auf Basis von Jahresplänen. Fünftens arbeitet sie an der Kultur, insbesondere daran, dass schlechte Nachrichten schnell und ohne persönliche Folgen nach oben gelangen. Kurz gefasst: Die Führungskraft steuert nicht mehr die Arbeit, sondern das System, in dem die Arbeit stattfindet. Das ist keine Entlastung, sondern eine Verlagerung auf die Ebene, auf der ihre Entscheidungen tatsächlich Wirkung entfalten.