✍️ OffenEine Organisation will von einem auf vier Scrum Teams an einem Produkt wachsen. Beschreiben Sie, worauf Sie vor und während der Skalierung achten.
Musterantwort: Vorher würde ich prüfen, ob die Voraussetzung überhaupt erfüllt ist. Liefert das bestehende Team zuverlässig ein fertiges Increment je Sprint, ohne Nacharbeit und ohne externe Freigabeschleifen? Ist das nicht der Fall, vervielfacht Skalierung die vorhandenen Probleme, statt Kapazität zu schaffen. Ebenso würde ich prüfen, ob das Produkt die zusätzliche Kapazität überhaupt rechtfertigt oder ob nur Personal untergebracht werden soll.
Beim Zuschnitt ist die zentrale Entscheidung, entlang welcher Linie geteilt wird. Teams entlang von Wertströmen oder Nutzergruppen können jeweils eigenständig Wert liefern; Teams entlang technischer Komponenten erzeugen dauerhaft Abhängigkeiten und Übergaben. Der zweite Weg wirkt anfangs einfacher, weil er der vorhandenen Fachlichkeit folgt, und ist die häufigste Ursache späterer Koordinationslast.
Unverändert bleiben ein Product Backlog, ein Product Goal und ein Product Owner. Ergänzende Rollen dürfen zuarbeiten, aber nicht über die Gesamtreihenfolge entscheiden. Ebenso braucht es eine gemeinsame Definition of Done als Untergrenze, sonst entsteht kein integriertes Increment.
Technisch ist die Integrationsfähigkeit der Engpass. Vor dem Wachstum sollten kontinuierliche Integration, automatisierte Prüfungen und automatisierte Bereitstellung stehen. Wer erst skaliert und dann integrieren will, landet bei einem Integrationssprint am Ende, also bei einem Hardening Sprint.
Während der Skalierung würde ich schrittweise vorgehen: erst ein zweites Team, Wirkung beobachten, dann weiter. Als Beobachtungsgrößen eignen sich der Anteil der Sprints mit integriertem Increment, die Zahl der teamübergreifenden Abhängigkeiten je Sprint und die Durchlaufzeit, denn bei schlechter Skalierung steigt Letztere trotz mehr Personal.
Schließlich würde ich die Erwartung offen ansprechen: Vier Teams liefern nicht das Vierfache. Wird das nicht vorab gesagt, gilt die Skalierung später als gescheitert, obwohl sie normal verlaufen ist.
Bewertet werden: Voraussetzung eines zuverlässig liefernden Einzelteams + Zuschnitt nach Wertstrom statt Komponente + ein Backlog, ein Product Goal, ein Product Owner + gemeinsame Definition of Done + Integrationsfähigkeit vor Wachstum + schrittweises Vorgehen mit Beobachtungsgrößen + realistische Erwartung an den Kapazitätsgewinn.